Dreamcast Powerbase: Chronik seit 2005
Vom Homebrew-Plan zum Netzwerk-Spezialisten: als Nischen-Projekt gestartet, heute ein Denkmal für SEGAs letzte Konsole und Enzyklopädie eines ganzen SEGA-Verbunds. Die Reise einer Dreamcast-Vision seit 2005!
Zu dieser Zeit war SEGAs Dreamcast-Konsole längst vom Markt verschwunden und die Xbox 360 läutete bereits die nächste Konsolengeneration ein. Doch Dirk Schneider wollte die SEGA Konsole – genau wie eine eingeschworene Gemeinschaft aus Fans und Entwicklern – nicht aufgeben. Trotz des offiziellen Hardware-Aus in 2001 florierte die Szene, vor allem im Bereich der Eigenentwicklungen, dem sogenannten Homebrew. Die Idee für seine eigene Dreamcast-Webseite wurde 2005 geboren. Unter seinem Synonym „Kalex“ registrierte sich Dirk im Forum des Fire-Universe, zu dem auch das Video Games News Network (VGNN) gehörte – ein neuer Verbund aus Portalen wie PlayStation-Fire und Xbox-Fire. Der SEGA-Ableger firmierte unter dem Namen Planet-SEGA. Die Domain gehörte zu dieser Zeit zu Christian R., der in der Szene als Megasonic (später Firesonic) und als Mitbegründer des neXGam-Netzwerks bekannt war. VGNN war sein neues Projekt, zu dem er seine ‚Planet-SEGA.com/.de‘-Domains mitnahm. (neXGam wich daher zeitweise auf ‚SEGA-Universe.de‘ aus.) Hinter den Kulissen bahnte sich dort eine Kooperation zwischen Planet-SEGA und dem SEGA-Club an, die als „Planet-SEGA vs. SEGA-Club“ in die SEGA-Club Chronik einging. Hier lernte Kalex auch Ronny (AstroTiger) kennen, der genau in diesem SEGA-Projekt involviert war.
Schnell entstand zwischen Kalex und AstroTiger eine produktive Partnerschaft, um die neu entstehenden Großprojekte gemeinschaftlich zu stützen. Kalex’ Fokus lag dabei klar auf der Dokumentation von Hobby-Programmierungen für Dreamcast. Ein Homepage-Contest der Deutschen Telekom (damals unter den Marken T-Com und T-Online vertreten) bot schließlich die Chance auf einen professionellen Start. Im Zuge einer massiven Kampagne zur Einführung der neuen .eu-Domains sicherte sich Kalex per Vorregistrierung im Dezember 2005 seine Wunschadresse: ‚dc-powerbase.eu‘
Landrush: Der Startschuss für das Projekt
Der offizielle „Landrush“ der .eu-Domains am 7. April 2006 markierte den eigentlichen Geburtstag des Projekts. Kalex erhielt Zugriff auf seine Domain und begann umgehend mit der Arbeit. Für Außenstehende blieb das Projekt aber zunächst ein Phantom. Kalex experimentierte im Stillen: Es entstand ein erster Entwurf einer HTML-Version. Dreamcast Powerbase trug damals bereits das markante Kürzel „DCP“ und sollte zur zentralen Anlaufstelle für Programmier-Anfänger werden. Kalex selbst werkelte zu dieser Zeit sogar an seinem ganz eigenen Dreamcast-Spiel, dem Text-Adventure „Destiny“.
Zwar war die Zusammenarbeit mit dem SEGA-Club zu diesem Zeitpunkt längst besiegelt, da sich Kalex und AstroTiger im Grunde täglich austauschten. Doch viel zu Gesicht bekamen Außenstehende nicht, auch Astro nicht. Kalex testete für sich: Die Seite enthielt Links zu Homebrew-Titeln und englische Tutorials, die er schrittweise ins Deutsche übersetzen wollte. In Zukunft plante Kalex, viele dieser Artikel in deutscher Sprache anzubieten. Es sollte eine Support-Seite für alle entstehen, die programmieren und sich mit anderen austauschen wollten. Diese Aufbauphase der Webseite selbst war damals aber noch recht schwammig und obwohl es im Kopf zumindest eine Art Plan gab, so traten immer wieder gewisse Hürden in der Umsetzung auf – zumal Kalex nebenbei sein „Destiny“ für Dreamcast entwickelte.
Dreamcast Powerbase: das erste Logo!
Die Bedeutung von Dreamcast Powerbase
Im Q1 2006 gab es dagegen schlechte Nachrichten für die große Kooperation: Die geplante Webseite „Planet-SEGA vs. SEGA-Club“ zerbrach, daraufhin gab es Kooperationsgespräche mit dem SEGA-Portal. Im dortigen internen Bereich – ironischerweise „Blumenwiese“ genannt – war Portalleiter „Eggman“ der Meinung, der SEGA-Club habe Inhalte und könne diese abgeben. Zugleich sollte der Name SEGA-Club innerhalb einer Fusion zugunsten des Portals fallengelassen werden. Abgesehen davon, dass AstroTiger den SEGA-Club nicht schon in der Aufbauphase fallenlassen würde, war auch Kalex schnell klar: Ein gleichberechtigtes Partnerkonzept, wie er es für DCP im Sinn hatte, war unter der Leitung von Eggman nicht vorgesehen. Die Forderung, der SEGA-Club solle alles ohne Namensnennung komplett im SEGA-Portal aufgehen lassen, war das Todesurteil für jegliche Vision einer eigenständigen Dreamcast-Plattform. Es war ein inakzeptabler Preis und passte überhaupt nicht in Kalex‘ Partnerkonzept mit dem SEGA-Club. Die Entscheidung fiel klar und gemeinschaftlich: keine Fusion mit dem SEGA-Portal. Am 7. Mai 2006 entstand das SEGA-Club Forum, inklusive eines Bereichs für Dreamcast Powerbase. Bereits am 10. Juni 2006 konkretisierte Kalex im internen Bereich den Aufbau des Dreamcast-Projekts:
„DCP wird sich NUR auf die Entwicklung und Programmierung von Spielen spezialisieren. Es soll die Möglichkeit gegeben werden, seine Ideen anderen Leuten vorzustellen (im Forum), ein Team zusammenzustellen und dann beides auf der DCP-Hauptseite zu präsentieren […] inklusive Bilder oder Trailer. Auf der DCP-Hauptseite wird es dann Tutorials geben zu Themen ‚wie richte ich meinen PC fürs Programmieren für DC ein‘ oder ‚wie erstelle in Grafiken in Paint‘. Mal sehen was alles zusammen kommt. Jeder Member kann selbst ein Tutorial schreiben und mir schicken.“
Kalex
Allerdings erhoffte sich Kalex für Dreamcast Powerbase zunächst Entscheidungshilfen vom restlichen SEGA-Club-Team, insbesondere bei der Idee, ein eigenes Team zu gründen. Seine Dreamcast-Seite war noch nicht „richtig öffentlich“, wie er es selbst beschrieb. Kalex bereitete die Unterteilung vor und hatte zunächst vier Bereiche im Sinn: Programmierung, Musik, Grafik und Storytelling, die unter anderem mit Downloads, Tutorials und verschiedenen Dokumenten gefüllt werden sollten. Kurzweilig stand die Idee im Raum, auch konkrete Spiele-Genres einzubinden, um das Storytelling voranzubringen. Letztendlich entschied sich Kalex aber dazu, Storytelling und Design in den Punkt „Sonstiges“ zu integrieren, während die Spiele vorerst als Linkliste bleiben sollten. Für das SEGA-Club Team passierte augenscheinlich wenig. Da Kalex das Projekt voll und ganz in Eigenregie führte, gab es keine Einsicht in die konkreten Arbeiten – keine Links, keine Grafiken. Aus dieser frühen Phase existieren daher auch keine Screenshots. Im September 2006 räumte Kalex ein, privat stark eingespannt zu sein, was eine baldige Präsentation von Dreamcast Powerbase verhinderte. Um die Arbeit nicht allein stemmen zu müssen, schlug er einen neuen Weg ein:
„Ich werde DCP ähnlich wie Wikipedia führen. Das heißt jeder kann (und soll sogar) seine Erfahrungen einbringen und so zum Beispiel ein Tutorial schreiben. Ich kann nicht alles machen. Ich habe vielleicht ein bisschen Ahnung vom Programmieren aber nicht von Grafik oder Sound.“
Kalex
Während Kalex im Dezember 2006 das Erscheinungsbild von DCP im Hintergrund weiter anpasste, war das Club-Team mit der Erstellung der neuen SEGA-Club Webseite beschäftigt, die im Mai 2007 online ging. Auf dieser neuen Plattform, der ersten nach der Ära des Sega Club Weingarten, erhielt Dreamcast Powerbase schließlich einen festen Platz als offizielle Partner-Webseite – Seite an Seite mit SEGA Deutschland und dem damaligen VirtuaShop.
Das Fast-Aus: Die Rettung des Projekts
Während der SEGA-Club 2007 florierte und das Forum stetig neue Mitglieder begrüßte, zog über Dreamcast Powerbase ein Sturm auf: Im Juni 2007 war die Webseite plötzlich nicht mehr erreichbar – ein Super-GAU für das junge Projekt. Die Ursache lag bei der Telekom: Massive Serverprobleme und ein blockierter Zugriff auf das Web-Paket führten dazu, dass Kalex weder E-Mails empfangen noch Rechnungen einsehen konnte. Lösungen bot die Telekom nicht. Daher nahm sich Kalex vor, nach einem neuen Hoster zu suchen. Doch zu einem Umzug kam es nicht, denn die Telekom kündigte das Web-Paket auf und gab die Domain ‚dc-powerbase.eu‘ zur Löschung frei. In diesem kritischen Moment griff AstroTiger ein. Um den drohenden Domain-Verlust zu verhindern, sicherte er die Adresse und schob sie am 13. September 2007 auf den Club-Server. Kalex sollte so weiterhin die Möglichkeit haben, an seiner Vision zu arbeiten, doch der Preis war hoch: Alle bisherigen Arbeiten auf dem alten Telekom-Server waren offensichtlich unwiederbringlich verloren. Es gab nie Informationen darüber, was nach dieser Angelegenheit an Material von seiner Seite aus überhaupt noch vorhanden war. Im Nachfolgesystem wurde davon nie mehr etwas eingespeist. Ohne den Eingriff aber wäre Dreamcast Powerbase an dieser Stelle beendet gewesen. Kalex und Astro suchten in den Anfängen nach HTML-Alternativen für sein Projekt. Ein Versuch war jene Optik, die AstroTiger damals von Firesonic bekam und den SEGA-Club testweise in eine orange Farbe mit Space Reporterin Ulala verwandelte. Jetzt stand dies im DCP-Design zur Verfügung. Genutzt wurde es aber auch für Dreamcast Powerbase schlussendlich nicht. Sie bot Kalex nicht das, was er sich vorstellte. Dennoch bestand diese Testseite sogar mit einfachen Updates bis ins Jahr 2010 hinein. Drei Monate nach der Rettung von Kalex‘ Projekt erschütterte am 13. Dezember 2007 ein Datenbank-Crash den SEGA-Club. Aus dieser Krise und einigen Wochen Mehrarbeit entstand aber auch eine neue Chance: Das Team lernte das eigene CMS (Content Management System) in der Tiefe zu beherrschen. Man entschied, die Technologie des Clubs auch für DCP zu nutzen. Auf dem Club-Server verfügte Kalex ohnehin über weitaus größere Datenbanken und Speicherplatz als bei seinem alten Hoster und den ursprünglichen HTML-Versuchen. Am 25. Mai 2008 wurde das neue System intern vorgestellt. Außerdem bekam Kalex Unterstützung durch einen weiteren Dreamcast-Fan. Christian H. (Schwab, später LastPixelHero) registrierte sich bereits am 18. Mai 2008 im Forum und trat kurz darauf dem Team bei.
Obwohl technisch nun alle Trümpfe auf dem Tisch lagen, lief es auf Dreamcast Powerbase nicht rund: Kalex ordnete sein Leben neu, das zuvor auch auf einem Studium basierte. Er hatte seitdem weitaus weniger Zeit, denn „…seit ich im Kino arbeite, kaum noch was mit der Programmierung zu tun habe.“ Kalex startete einen neuen Job in einem Kino, der ihn zeitlich voll beanspruchte. Dies machte sich auf der Webseite bemerkbar: Bis zur Games Convention 2008, auf der RedSpotGames als deutscher Publisher neue Projekte für Dreamcast vorstellte, passierte quasi nichts mehr auf Dreamcast Powerbase. Für den SEGA-Club wurde die Situation durchaus rätselhaft. Kalex war kaum noch im Forum präsent und Anfragen blieben unbeantwortet. Kurz nach der GC 2008, die Kalex noch gemeinsam mit AstroTiger und Tikal (Tanja) besuchte, fiel seine persönliche Entscheidung: Kalex teilte mit, dass er DCP nicht mehr weiterführen würde. Der SEGA-Club dagegen hatte Dreamcast Powerbase unlängst auf der eigenen Webseite beworben, während DCP im Forum seinen eigenen Bereich besaß. Sollte dies nun still und heimlich entfernt werden? Über Kalex‘ Entscheidung stand im internen DCP-Bereich nichts, da diese Entscheidung persönlich herangetragen wurde. Damit schied Kalex Ende 2008 aus seinem Projekt aus, sein Text-Adventure „Destiny“ für Dreamcast erschien nie. Rückblickend lässt sich feststellen: Außer der im September 2007 geretteten Domain existierte 2008 faktisch kein greifbares Projekt. Die Jahre 2005 bis 2007 waren geprägt von Visionen und ersten technischen Versuchen, doch die geplante Homebrew-Datenbank war nie greifbar oder präsent. Die Kosten für den Server und die Domain wurden seit der Rettung gänzlich vom SEGA-Club getragen. Damit saß der SEGA-Club auf einem gerade begonnenen Dreamcast-Projekt – einer „leeren“ Partnerseite mit einem Thema (Homebrew), zu dem keiner im Club-Team zu diesem Zeitpunkt Zugang hatte. Es gab fast keine Texte oder Medien, da schlichtweg nichts vorhanden war, das über das Planungsstadium so richtig hinausging.
AstroTiger stand nun vor der Entscheidung: Löschen oder Retten? Sollte man das Kapitel schließen und Dreamcast Powerbase sterben? Oder sollte man den Namen beibehalten und das Projekt neu definieren? Dann aber bräuchte DCP eine Existenzberechtigung neben dem SEGA-Club.
Dreamcast Powerbase sollte leben!
Die Neuausrichtung als spezialisierte Wissensdatenbank
Um die Entscheidung für den Fortbestand der Dreamcast Powerbase zu verstehen, muss man zu den Anfängen des SEGA-Clubs zurückblicken. Schon bei der Übernahme des Sega Club Weingarten Anfang 2005 existierte die Vision eines Netzwerks aus verschiedenen Hardware-Sparten. Domains wie ‚MegaDrive-Club.com‘ oder ‚Dreamcast-Club.com‘ wurden zwar registriert, aber schnell wieder verworfen, da alle Systeme im klassischen SEGA-Club ihren Platz fanden. Mit dem Relaunch im Mai 2007 bot der Club bereits umfangreiche Artikel zur Mega Drive Ära inkl. Mega-CD und 32X sowie SEGA Saturn und Dreamcast. Diese Bereiche waren sehr groß. Sie boten neben Hardware und Peripherie auch Geschichten, Spielarchive und mehr.
Doch nun, Ende 2008, stand der SEGA-Club vor der Frage: Was passiert mit Dreamcast Powerbase? Da das Thema Homebrew allein keine tragfähige Basis mehr bot, brauchte DCP eine neue Existenzberechtigung. Die Konsequenz war radikal: Der SEGA-Club verzichtete auf seine eigenen Dreamcast-Inhalte und stellte diese dem Partner-Projekt zur Verfügung. Es war der einzige Weg, um DCP ein eigenes Leben einzuhauchen. Im Raum stand ganz klar das Ziel, Dreamcast Powerbase als spezialisierte Wissensdatenbank aufzubauen – im Grunde das, was zuvor ein Dreamcast-Club geworden wäre. Gemeinsam mit dem zeitgleich entstehenden Sonic-Projekt formte sich die Idee der „Game Infos“: Tiefgreifende Artikel mit Hintergründen, detaillierten Tabellen zu Speicherplätzen und DLCs, sowie Video-Downloads. Was im reinen SEGA-Club den Rahmen gesprengt hätte, wurde auf Dreamcast Powerbase zum Standard. Während der Fokus im SEGA-Club auf reiner SEGA-Software lag, konnte DCP das gesamte Spektrum abdecken: Auch Spiele von Drittherstellern wie Grandia II, Tomb Raider oder Soul Calibur hätten hier nun ihren Platz mit detaillierten Beschreibungen.
Das CMS war bereit, das Design gewählt – nun fehlte „nur“ noch genau dieser massive Inhalt. DCP wandelte sich vom externen Partner-Projekt zum integralen Bestandteil des SEGA-Club-Netzwerks: Anfang 2009 standen somit bereits drei Säulen unter einer gemeinsamen Obhut: Der SEGA-Club, das neue Sonic-Projekt und die neu definierte Dreamcast Powerbase. Nur sprach damals noch niemand von einem Netzwerk. Zudem tat AstroTiger mit diesem Schritt genau das, was das SEGA-Portal Jahre zuvor in der „Blumenwiese“ forderte: Er verschob wertvolle Inhalte, um eine andere Plattform zu füllen. Doch es gab einen entscheidenden Unterschied: Er gab die Inhalte freiwillig ab, um Dreamcast Powerbase eine eigene Identität zu schenken. Er rettete das Projekt als eigenständige Marke neben dem SEGA-Club, statt es untergehen zu lassen.
Neue Projektleiter gesucht!
AstroTiger suchte nach Mitstreitern, um DCP frische Impulse zu geben. Schwab, der ein Auge auf das Projekt geworfen hatte, war der erste Mann, um sich dessen anzunehmen. Unterstützt wurde er ab Oktober 2008 kurzzeitig von Alex B. (TokyoX360), der ein paar Magazin-Scans beisteuerte. Schwab brachte vor allem einige Ansätze ein: Er forcierte die Erstellung des eigenen YouTube-Kanals (@DreamcastPowerbase) im Februar 2009. Während er vor allem strategische Akzente setzte, lag die technische Umsetzung solcher Ideen jedoch stets weiterhin primär in den Händen der Club-Leitung. Inhaltliche Unterstützung in Form von Texten und Medien waren dagegen Mangelware. Zu dieser Zeit wurde bereits beschlossen, im SEGA-Club keine neuen Dreamcast-Inhalte mehr online zu stellen. Neue Inhalte sollte es nur noch auf Dreamcast Powerbase geben. Im Juni 2009 stieß Benjamin T. (Der Schwarze Henker) zum Team. Vor allem durch ihn entstanden viele Game-Infos zu Klassikern. Im Zeitraum 2009 bis 2010 zogen damit Spiele wie Legacy of Kain: Soul Reaver, Heavy Metal Geomatrix, Tokyo Highway Challenge, Virtua Tennis oder Crazy Taxi auf der neuen Webseite ein. Das europäische Archiv wurde auf 216 Titel komplettiert und um japanische sowie amerikanische Releases erweitert. Der Henker arbeitete zudem an einer wichtigen VGA-Kompatibilitätsliste, während Schwab versuchte, DCP als eigenständige Startseite zu forcieren, um die DCP sichtbarer zu machen. Denn das war unter Kalex bisher nicht geschehen. Schließlich stellte der SEGA-Club das neue Projekt SEGA Deutschland vor und plante intern bereits mit dem Launch innerhalb der kommenden Monate 2010 bis 2011.
Doch Beständigkeit des neuen DCP-Teams war nur von kurzer Dauer. Dennis W. (dR.kReBz), der Schwab ab April 2010 eigentlich unterstützen sollte, fiel technisch (Hardware, Internet) komplett aus. Man hätte die beiden als eine Art Doppelspitze definieren können, wie es AstroTiger und Tikal im SEGA-Club waren. Der massive Zustrom jüngerer Nutzer im Forum im Alter zwischen 12 und 15/16 Jahren machte die Situation noch komplizierter. Denn wenngleich diese eine vollkommen andere Art der Kommunikation führten im Vergleich zu den erwachsenen Mitgliedern, sollte es eine Vorbildfunktion und ein angemessenes Auftreten geben. Hier kam es zu gravierenden internen Differenzen über das Niveau der Kommunikation: Während das gesamte Team auf ein angemessenes Auftreten und eine Vorbildfunktion gegenüber den jüngeren und vor allem minderjährigen Nutzern innerhalb der damaligen „Teen Lounge“ bestand, vernachlässigte Schwab die notwendige professionelle Distanz. Die Club-Leitung konnte dieses Fehlverhalten nicht länger tolerieren, um den Schutzraum der jüngeren Mitglieder zu wahren. Statt den Diskurs intern im Team anzunehmen, verließ Schwab am 14. Juni 2010 das Projekt. An dieser Stelle übernahm Benjamin (Der Schwarze Henker) das Ruder als Projektleiter mit textlichen Entwürfen und finalen Artikeln, um die Seite redaktionell einen Schritt nach vorn zu bringen. Denn man darf nicht vergessen, dass das restliche Club-Team auch Inhalte für den online stehenden SEGA-Club schuf, Testmuster bearbeitete und neue Inhalte bereitstellte, während sich das Sonic-Projekt ebenfalls nicht von allein bearbeitete. Doch auch des Henkers Arbeit kam bereits Anfang 2011 ins Stocken, als Peggy H. (ShiShiKo) mit ihrem Mega-Projekt „Sonic Origin“ die gesamten Kapazitäten des Netzwerks für sich beanspruchte. DCP wie auch die damals benannte SONIC Site gerieten dadurch monatelang in den Hintergrund. Es brachte sogar sämtliche SEGA-Club Arbeiten zum Erliegen. Das Desaster hierbei führte dazu, dass Anfang 2012 auch der schwarze Henker das Projekt verließ. Mit seinem Ausscheiden endete eine Phase, in der zwar viele Steine ins Rollen gebracht worden waren, aber die Beständigkeit fehlte, das Projekt langfristig auf Kurs zu halten.
Am Ende zeigte sich: Eine Idee zu haben ist das eine – sie über Jahre hinweg gegen alle Widerstände des Alltags und der Szene-Dynamik zu verteidigen, stabil zu halten und ausdauernd zu führen, das andere. Als Metapher ausgedrückt könnte man sagen: „Die Ritter ließen beim kleinsten Sturm ihre Lanzen fallen.“ Die Ära der Projektleiter für Dreamcast Powerbase war damit beendet.
Die stille Archivierung: Das Fundament
Auch wenn es keine Projektleitung mehr gab, bedeutete dies keineswegs den Stillstand der inhaltlichen Arbeit. Hinter den Kulissen leisteten AstroTiger und Tikal in diesen Jahren die eigentliche Schwerstarbeit, um die Dreamcast Powerbase zu formen. Hier flossen unzählige Stunden Fleißarbeit hinein: das Scannen von Cover-Artworks, die manuelle Erstellung detaillierter Spielelisten und die aufwendige Aufnahme von Videomaterial und Screenshots direkt von der Hardware. Dazu gehörten auch die Dream-On-Demos in ihrer eigenen Sektion. Es gab eine Verknüpfung der Menüs der weltweiten Spielarchive, der Game Infos und Reviews. Dieser Aufbau war der Grundpfeiler für die Seite: Im Vordergrund standen die Videospiele. Und obwohl Kalex schon längst nicht mehr an Bord war, war noch immer der Menüpunkt „Homebrew“ mit dabei. Einen Grundtext hatte hier aber gerade einmal das Thema Bleemcast.
Diese Zeit war geprägt von einem Paradoxon: Während die Domain ‚dc-powerbase.eu‘ ab Juli 2011 eine extra für DCP abgeänderte Flash-Startseite vom SEGA-Club zeigte – durch AstroTiger angepasst, wurde der letzte Beitrag im DCP-Forenthread am 08.02.2011 geschrieben, als die Arbeiten plötzlich auf das Manga-Projekt verlagert wurden. Als Mike S. (Pilan) Anfang 2012 das ‚Club-2.0-Projekt‘ aus Zeitgründen hinwarf, hinterließ er einen Scherbenhaufen. Trotz der persönlichen Verbundenheit und monatelanger Vorbereitung stellte er dem Team seine bisherigen Arbeiten nicht zur Verfügung – ein schwerer Vertrauensbruch, der den Club technisch um Jahre zurückwarf und einen kompletten Neuanfang erzwang. Diese Krise wurde durch das Projekt ‚Sonic Origin‘ (siehe SONIC Club Chronik) verschärft, das sämtliche Kapazitäten blockierte und schließlich zum Bruch innerhalb des Teams führte. Über den Jahreswechsel 2011/2012 verlor das Netzwerk durch diese internen Verwerfungen nicht nur wertvolle Zeit, sondern auch einen Großteil seiner personellen Stärke. Nur durch die stille Archivierungsarbeit von AstroTiger und Tikal wurde Dreamcast Powerbase in diesem ‚digitalen Exil‘ vor dem endgültigen Untergang bewahrt.
Die Probleme aber kamen schleichend: Das Redaxo-System veraltete zunehmend und war immer schwieriger zu nutzen. Gegen 2015 war klar, so könnte der SEGA-Club nicht weitermachen, zumal viele Versuche zur Erneuerung des CMS scheiterten. Trotz technischer Rückschläge und dem Hack des Forums im Mai 2016 wurde Dreamcast Powerbase im Geheimen geschützt. Nur wann würde man aus diesem „digitalen Exil“ ausbrechen?
Die abgewandelte Flash-Startseite wurde für Dreamcast Powerbase rein mit DC-Inhalten bestückt.
Dreamcast Powerbase erwacht
Die Vorbereitung zum Launch
Im Jahr 2018 ebnete ein neuer technischer Ansatz den Weg in die Zukunft. Ein besonderer Moment ereignete sich am 11. Februar 2018: Kalex – Urvater von Dreamcast Powerbase – kehrte nach fast zehn Jahren ins Team zurück. Er war sehr glücklich darüber, stellenweise auszuhelfen, insbesondere auf Facebook. Ein Projektleiter-Posten bzw. eine direkte Arbeit an seinem früheren Projekt war dies nicht mehr. Ganz im Gegenteil: In Zukunft koordinierte AstroTiger das Projekt selbst. Für den SEGA-Club stand ab 2019 die Relaunch-Phase an, in der nach und nach alle Bereiche des SEGA-Clubs rundumerneuert wurden. Für Dreamcast Powerbase bedeutete dies völlig überarbeitete Texte. Das seit Anfang 2011 stillstehende DCP-Topic im internen Forenbereich bekam im Oktober 2019 seinen ersten neuen Beitrag!
Diese Erneuerung startete mit der Konsolen-Hardware inklusive ihrer Peripherie im gesamten SEGA-Club. Dreamcast war die letzte Hardware, die Astro nach SEGA Saturn und dem riesigen 16-Bit Fundament Mega Drive einer Rosskur unterzog. Die Texte wurden neu recherchiert, komplett überarbeitet und teilweise mit neuen Fotos ausgestattet, zum Beispiel der Mad Catz Panther. Die Inhalte wurden massiv erweitert, so auch die Game Infos, die für das neue responsive Design (für mobile Geräte) umgebaut wurden: Die Spiele erhielten neue Informationen zu ihren Portierungen auch für die einst konkurrierende Hardware wie PlayStation 2. Dies bedeutete Nachrecherche, neue Infos und erweiterte Texte im Vergleich zu den früheren Artikeln. Im Alleingang baute AstroTiger Dreamcast Powerbase komplett neu auf. Das Design wandelte sich im März 2023 zu einem hellen Dreamcast-Blau mit schwarzen Elementen und ein wenig orange akzentuiert – mit Charakter Beat (Jet Set Radio), den ChuChu-Mäusen und orangefarbigen Dreamcast-Controllern. Das Design wurde origineller und moderner. Im Juli 2023 wurde das Pal-Archiv mit seinen 216 Spielen überführt. Dreamcast Powerbase bot neben Newsmeldungen, Reviews, Game Infos und der Hardware weiterhin Medien: Video-Downloads wurden mit einem Videoplayer integriert, die Astro inzwischen selbst direkt von der Hardware aufnehmen konnte und teilweise auf dem SEGA-Club Instagram-Kanal vorstellte. DCP präsentierte nun Dreamcast-Browser, die Zusatzsoftware und ein paar komplett neue Artikel wie die GD-Rom.
In dieser Phase wuchsen die Projekte des SEGA-Clubs so eng zusammen, dass erstmals von einem Netzwerk gesprochen wurde. Dreamcast Powerbase wurde wie ein Wiki mit dem gesamten Verbund verknüpft: Wer sich Sonic Adventure im SONIC Club anschaute, konnte nun Informationen zu SEGAs Konsole abrufen und tiefer in die Materie eintauchen. Gleichzeitig bewies auch Dreamcast Powerbase seine Stärke als Inhaltsgeber: Die Dreamcast-spezifischen Inhalte zu Shenmue wurden dem neuesten Prestigeprojekt im Verbund zur Verfügung gestellt: Shenmue-Saga.com – ein Monument, dessen Licht in 2007 erlosch und im Verbund zu neuem Leben erwachte! Genau wie einst Dreamcast Powerbase, als in 2008 der Entschluss fiel, das Projekt nicht sterben zu lassen.
Dreamcast Powerbase launchte im Verbund des Netzwerks am 13. März 2025.
Afterlife: nach der SEGA-Ära!
Obwohl sich DCP-Urvater Kalex bereits nach Dezember 2021 langsam wieder in seine Arbeiten für Kino und wichtige private Themen zurückzog, ging es mit seinem früheren Projekt voran. Der Launch war der Startschuss, der ursprünglich schon für etwa 2010 bis 2011 angedacht war. Kalex‘ ursprüngliche Idee, sich einzig auf Homebrew zu konzentrieren, wäre im Jahr 2026 zu wenig für eine echte Bastion für Dreamcast. Homebrew ist ein wichtiger Teil, aber erst durch die Integration der kompletten Bibliothek wird die Powerbase zum unangefochtenen Zentrum für Dreamcast-Fans. Dieser Weg ging nach dem Launch weiter. Die Spiele-Bibliothek wurde und wird seitdem stetig in Abständen aktualisiert. Dies ist aufwendiger als auf der früheren DCP-Webseite: damals gab es eine textliche Link-Liste. Heute sind es Teaser, die bereits ein Vorschaubild des Spiels zeigen samt Release-Datum und Region sowie dem Spiele-Logo. Diese aufwendig erstellte Übersicht bildete das Zentrum der Dreamcast-Spieleliste.
Homebrew als wertvolle Säule: Die Vision von Kalex sollte dennoch nicht vergessen werden, wenngleich sie anders erarbeitet wurde als damals angedacht. Innerhalb der neuen DCP-Struktur sollte Homebrew neben Meilensteinen wie „Soul Reaver“ einen festen Platz finden. Erschaffen wurde dafür die eigene Kategorie „Afterlife“ – alles nach der SEGA-Ära. Unter diesem Menüpunkt sollten ebenfalls Umbauten, moderne Hardware und Ports anderer Spiele zu finden sein. Eine komplett neue Sektion, die sich auf der Webseite stetig eingliederte. Der Beginn war ein grundlegender Artikel, der Fans der Konsole und vor allem all jene, die sich mit dem Thema so gar nicht auskannten, zunächst langsam heranführen sollte: Erklärungen mit verständlichen Vergleichen und weiterführenden Informationen. Eine echte Powerbase muss das gesamte Spektrum abdecken und vor allem einfach und verständlich erklären! Dieser Stein wurde im März 2026 ins Rollen gebracht. Kurz zuvor rollte aber noch ein ganz anderer Stein innerhalb des Netzwerks…
ARENA-128: das Forum für Dreamcast Powerbase
Im Januar 2026 reaktivierte der SEGA-Club eine Legende: SEGA-Zone.de kehrte zurück! Sie wurde zum Community-Hub für das gesamte Netzwerk und gab allen Projekten zu diesem Zweck mehr Raum: Die SEGA-Zone bündelte dabei nicht nur die kompletten Aktivitäten, sie erweiterte die Bereiche. Dreamcast Powerbase bekam erstmals eine völlig eigene Foren-Kategorie mit weiteren angegliederten Dreamcast-Foren: ‚Dreamcast Lobby‘, ‚Pioneer II: Afterlife‘ und ‚Dream-Crafting‘.
„Mit dem Namen ARENA-128 verneigt sich Dreamcast Powerbase vor den Pionierzeiten der deutschen Szene und schlägt gleichzeitig die Brücke in ein neues Zeitalter.“
Als Teil der SEGA-Zone (zur Chronik seit 1999) bietet das DCP-Forum „ARENA-128“ heute einen spezialisierten Austauschraum. Die erstgenannten Foren ‚Dreamcast Lobby‘ und ‚Pioneer II: Afterlife‘ stehen dabei für jene zwei Ären: die SEGA-Ära auf der einen und alles nach der SEGA-Ära auf der anderen Seite. ‚Dream-Crafting‘ beinhaltete zu Beginn den Mix aus Modding, Merchandise und Medien. Dies war ein Foren-Neustart für Dreamcast Powerbase, der mit einer neuen Designsprache innerhalb der SEGA-Zone daherkam: 16:9 Hintergrundbilder, angepasste mobile Optik und schwebende Dreamcast-Kringel über dem Bildschirm. Ein modernes Gerüst, das sich erst mit der neuen SEGA-Zone durch alle Foren-Bereiche etablierte. Die Verbindung mit dieser Legende aus 1999 war einzigartig und versprühte eine Eleganz, die ihresgleichen suchte. Was 2005 als vage Idee von Kalex begann, fand rund 20 Jahre später seine professionelle Umsetzung. In der Rückschau erinnerte sich Dirk an seinen ursprünglichen Wunsch, ein All-umfassendes Dreamcast-Portal zu schaffen. Dass sich DCP später, vor allem aus Zeitgründen, klar auf Homebrew und als Wiki fokussieren sollte, ist die bekannte Geschichte von Dreamcast Powerbase. Inzwischen wurde Dreamcast Powerbase zu weit mehr als das. DCP ist die lebendige Dokumentation einer Konsole, eine sich in der Entstehung befindliche, allumfassende Enzyklopädie zu SEGAs bislang letzter Videospielkonsole – seit 2026 mit einem komplett eigenen Forum innerhalb der legendären SEGA-Zone.
Fortsetzung folgt...

