SEGA-Zone.de Chronik seit 1999
Die Legende der Deutschen SEGA- und Dreamcast Landschaft
Das Vermächtnis der Sega-Zone ist mehr als die Chronik einer Webseite – sie ist das Spiegelbild einer ganzen Ära. Einst als Massenphänomen der deutschen Dreamcast-Szene gestartet, ist sie heute das interaktive Herzstück eines ganzen SEGA-Netzwerks: beständig, unabhängig und mit dem Bewusstsein für eine große, gemeinsame und traditionsreiche Geschichte.
Die Geschichte von Sega Zone.de beginnt insgeheim sogar schon bevor die Domain selbst online ging. Sie wurzelt im Oktober 1998, als die beiden fränkischen Schüler Andreas Rührig und Timo Meyer eine Fan Webseite zum damals aktuellen Tomb Raider III ins Netz stellten: ‚Tombraider3.de‘ entwickelte sich rasch zu einem Publikumsmagneten mit rund 2.000 Besuchern täglich. Aus dieser Erfahrung heraus gründeten sie im Februar 1999 das Projekt GameGuides, ein wachsendes Netzwerk von Spiele Webseiten, das sie aus ihrem eigenen Zivildienst Gehalt finanzierten. Zur gleichen Zeit arbeitete Christian Donauer an seiner eigenen Seite ‚cheatz.de‘, die sich auf Spieletipps und Cheats spezialisierte und schnell zu einer festen Größe in der Szene wurde. Im Mai 1999 kreuzten sich die Wege der drei. Nach Monaten der Planung beschlossen sie im Oktober 1999, ihre Projekte unter einem gemeinsamen Namen zu vereinen. Nur einen Monat später gründeten sie eine Aktiengesellschaft – ein bemerkenswerter Schritt für drei Gründer Anfang zwanzig. Sie schufen mit ‚Gamez.de‘ die wohl größte Spiele-Community Deutschlands.
Start der Sega-Zone als Teil der Gamez AG
Genau hier setzt die Chronik von Sega-Zone.de an. Sie war Teil dieses Gamez-Netzwerks und damit eine Seite unter vielen weiteren. Die Sega-Zone war von Anfang an professionell aufgebaut: tägliche News rund um SEGA und Dreamcast, Reviews (Archiv-Link), Release-Listen und Hardware Berichte von Blaze, MadCatz, InterAct und Xi-Gear. Es handelte sich um Zubehör wie Kabel, Speicherkarten oder Peripherie wie Lightguns und Arcade Sticks.
Sega-Zone startet durch!
Pünktlich zu dem bevorstehenden Release von Dreamcast in Europa erstrahlt die Sega-Zone ab heute in einem neuen Design. Zusätzlich zu den täglich aktuellen News werdet ihr in Zukunft verstärkt Hintergrundinfos, Spieletests, Screenshots und noch vieles mehr bei uns finden.
- Archiv vom Sonntag, 3. Oktober 1999
Zusätzlich bot Sega-Zone.de, deren Wurzeln vermutlich noch in der auslaufenden Saturn-Ära liegen, im Jahr 1999 bereits einen Chat, ein Gästebuch und ein Forum. Da die News-Archive zum 3. Oktober 1999 explizit von einem 'neuen Design' sprachen, lässt dies darauf schließen, dass die Plattform bereits in den Monaten zuvor als Anlaufstelle für SEGA-Enthusiasten gereift war. Der Chat, auch VSC (Video Gamez Search & Chat) genannt, war dabei das interaktive Herzstück des Gamez.de Netzwerks. Wer wollte, konnte den Sega-Zone Newsletter abonnieren, an Gewinnspielen teilnehmen oder sich Links zu anderen Seiten anschauen, darunter einige SEGA-Seiten wie SEGA Europe, Planet-SEGA.de, SEGA2000.de oder eben auch Gamez.de, Cheatz.de oder gplay.de. Damit schloss sich der Kreis, denn bereits auf der Home-Seite der Sega-Zone gab es Partner-Links zu ‚Gamez.de‘ – der Mutterseite von Sega-Zone.de. Verknüpft war die Zone auch mit ‚Cheatz.de‘ für Tipps, Tricks und sogenannte Schummelhilfen. Dieses Projekt war keine Hobbyseite, sondern ein redaktionell betreutes Portal mit klarer Struktur, hoher Reichweite und einem Team aus festen und freien Mitarbeitern. Dank SEGAs Konsole Dreamcast erlebte die Sega-Zone einen explosionsartigen Aufschwung und entwickelte sich zwischen 1999 und 2000 zur größten deutschsprachigen SEGA-Website bzw. Community. Um die enorme Reichweite zu monetarisieren, wurde die Gamez AG in das DoubleClick Werbenetzwerk aufgenommen – eines der weltweit einflussreichsten Netzwerke dieser Ära, das 2008 von Google übernommen wurde. Für DoubleClick war das Gamez-Netzwerk eine regelrechte Goldgrube, da es Werbetreibenden ermöglichte, die junge, technikaffine Zielgruppe der 'Early Adopter' in großem Stil zu erreichen. Die Redaktion von Sega-Zone.de lieferte das inhaltliche Fundament, während DoubleClick die technologische Brücke zu globalen Marken schlug. So wurde die Zone unlängst zum zentralen Treffpunkt deutscher SEGA-Fans und zu einem prägenden Teil der deutschen Dreamcast-Kultur.
Die Übernahme der Sega-Zone durch GameLoft
Schließlich führte die Gamez AG führte Gespräche mit der Freenet AG über eine 51-prozentige Beteiligung von Freenet an Gamez, die aber schließlich kommentarlos abgebrochen wurden (Golem). Stattdessen verkauften die Gamez-Gründer ihr Unternehmen im Mai 2000 an die GameLoft AG, wonach eine „nicht unbedeutende Summe in die Spiele-Community investiert“ worden war. Man kann davon ausgehen, dass die Sega-Zone damals die reichweitenstärkste und profiliertesten Fach-Säule innerhalb des Gamez-Netzwerks während der Dreamcast-Ära“ war. Das Unternehmen verlegte seinen Sitz von Nürnberg (Gamez AG, HRB 17111) im Juli 2000 nach Wiesbaden (HRB 11999). Die drei Gründer der Gamez AG und damit auch von Sega-Zone.de schieden im Oktober als Vorstandsmitglieder aus. Die Sega-Zone gehörte damit vollends zur GameLoft AG. Im Jahr 2001 gab es ein Design-Update. Hardware, News-Archive und Software-Artikel blieben. Aus den Links flogen Fan-Seiten heraus, es verblieben offizielle SEGA-Seiten und jene von GameZ.de und Cheatz.de. GameLoft war nun auf der Hauptseite verlinkt. Gameloft.de selbst gab auf deren Hauptseite sogar den Link ‚segazone.gameloft.de‘ an. Simultan dazu führte sie ‚nintendo.gameloft.de‘ oder ‚playstation.gameloft.de‘ – alles Webseite mit News, Hardware, Reviews und mehr: das Erbe von Gamez.de. Es handelte sich dabei aber nicht um zwei verschiedene Seiten. Besucher konnten dieselbe Webseite unter ‚sega-zone.de‘ oder ‚segazone.gameloft.de‘ ansteuern.
Weiterhin bemerkbar machte sich: Das Forum der Sega-Zone wurde innerhalb des „Loft // board“ eingegliedert. Der „Anzeigenmarkt“ stand nun im Forum bereit, neben einem „OT-Forum“, den „Sega Diskussionen“ und der „Online-Spiele“. Im August 2001 hatten die Beträge innerhalb der Sega Diskussionen übrigens die 200.000er Marke durchbrochen. Aber eine Sache wirkte sehr nach: SEGA hatte das Aus der Dreamcast-Konsole Ende März 2001 verkündet. Die Sega-Zone veranstaltete hierzu sogar ein Voting auf der Hauptseite, die das Thema aufgriff: „Nehmt ihr Sega den Rückzug aus der Dreamcast-Produktion übel?“ Ein Archiv-Bild zeigt: 153 Besucher stimmten bis 16.05.2001 für ja, 78x wurde für nein gestimmt. Damals rangierten „Sony sabotiert Bleem! für Dreamcast“ und „K-Project offiziell auf der E3“ ganz in den Newsmeldungen. Am 29.11.2001 waren dies dagegen bereits Meldungen wie „US-Dreamcast-Preis fällt unter 50 Dollar“, „Xbox-Version von Shenmue II“ oder das „Aus für Bleem!“. Kurz vorher im Oktober 2001 hatten die „Sega Diskussionen“ im Sega-Zone Forum des Loft-Boards bereits mehr als 211.000 Beiträge.
Der Tod der Sega-Zone
Doch es zeichnete sich das Ende der Sega-Zone ab. Es waren nur wenige Tage von jenem 29.11.2001 bis zum 09.12.2001 (Sonntag), als in den Blaster-Foren.de das Thema „Sega-Zone R.I.P.“ entstand: „Laut Markus sind ab Dienstag alle Reviews usw. weg.“ (TheAl – Gast im Forum). Ein weiterer Gast, Enrico Pallazzo, antwortete: „naja es wird in nächster Zeit wohl nicht die letzte Segapage gewesen sein“. Was passierte? GameLoft konzentrierte sich nach 2001 radikal auf Java-Handyspiele. Ein spezialisiertes Konsolen-Portal wie die Sega-Zone passte nicht mehr in die Strategie und wurde fallen gelassen oder stiefmütterlich behandelt. Warum? Die Dotcom-Blase ab März 2000 traf in gewisser Weise auch GameLoft. Die Übernahme von Gamez (kurz nach Crash) war Teil der Expansionsstrategie, die aber nur eine bestimmte Zeit lang gut lief. Während die Kurse 2000 fielen, blieben viele Firmen zunächst noch operativ. Erst im Laufe des Jahres 2001 trocknete das Kapital endgültig aus. Werbebudgets wurden massiv gestrichen und der Markt für Online-Werbung brach realwirtschaftlich ein. Sprich, als der Markt für Online-Werbung und Internetportale einbrach, zog Michel Guillemot von der GameLoft AG den Stecker. Den Fokus weg von Online-Portalen hin zu den damals aufkommenden Spielen für Mobiltelefone war für das Unternehmen eine Stabilisierung. Webseiten wie eine Sega-Zone, die aufgrund des Ausstiegs von SEGA ohnehin nicht mehr denselben Stellenwert hatten, waren nun noch mehr Nische. Im Jahr 2002 befand sich unter der Domain ‚sega-zone.de‘ bereits kein SEGA-Inhalt mehr, sondern klassischer Inhalt der GameLoft AG für verschiedene „Phone Games“. Alle Links führten dabei direkt zu ‚gameloft.de‘. In 2003 gibt es keine aufrufbare Webseite mehr. Die Gamez AG wurde im Handelsregister in GameLoft AG umfirmiert – vermutlich am 10.04.2003. Nur ca. 1,5 Jahre nach der Übernahme wurde die frühere Gamez AG offiziell am 22.12.2004 aufgelöst (Beginn der Liquidation). Die Abwicklung war am 11.02.2005 beendet.
Die Sega-Zone.de Ära war damit offiziell beendet. Die Domain wurde gelöscht, 2004 bereits zur Vermietung angeboten und beherbergte anschließend als Werbe-Platzhalter, eine Content-Hülle, sie war ein Resteverwerter ohne Seele. Dies zog sich bis ins Jahr 2008 fort. 2009 leitete die Domain auf ‚denic.de‘ weiter, im Jahr 2010 auf ‚f-akten.de‘. Zwischen 2012 und 2019 fand sich die Seite auf der Auktionsplattform ‚sedo.de‘ wieder. Auch die Webarchive geben danach keine weiteren Informationen. Die GameLoft AG hatte die größte SEGA Community Deutschlands zu Tode getragen. Es gab nie wieder SEGA-Inhalte auf der Domain sega-zone.de. Viele der früheren Fans fanden ab dem Jahr 2001 Unterschlupf bei Planet-SEGA, das später in neXGam aufging.
Die Rückkehr der Sega-Zone als Teil des SEGA-Club Netzwerks
Heimlich still und leise registrierte der SEGA-Club am 08.11.2022 die Domain ‚sega-zone.de‘ und nahm sie ins SEGA-Netzwerk auf. Der Club, dessen Ursprünge im Sega Club Weingarten (SCW, gegr. 1996) liegen, hatte nach der Domain-Übergabe durch Mitbegründer Andreas K. im Februar 2005 einen neuen Besitzer. Und seitdem eine neue Vision. In all den Jahren bis 2022 wurde nicht nur ein neuer SEGA-Club aufgebaut, sondern bereits zwei Projekte früherer Gründer übernommen: Dreamcast Powerbase und das Prestige-Projekt Shenmue-Saga aus 2001. Genauso traditionsreich war die Domain ‚sega-zone.de‘. Sie leitete seit 2023 auf das Forum des Clubs weiter. Doch dabei sollte es nicht bleiben. Es war nur ein Übergang, während sich der SEGA-Club selbst in der Relaunch-Phase befand und als Netzwerk wieder onlinegehen sollte. Bis dahin strukturierte sich der SEGA-Club neu und bot verschiedene SEGA Portale als Projektsäulen. Der SEGA-Club bot die Hardware, die Newsmeldungen, Reviews und Medien zu allem, was SEGA ausmachte. Der SONIC Club kümmerte sich stattdessen konkret um die Marke Sonic the Hedgehog. Als der Club seine Dreamcast-Inhalte ausgliederte, gab er dem Projekt eine Existenzberechtigung im Netzwerk und gleichzeitig die Möglichkeit, weitere Themen im Bereich der 128-Bit Konsole anzubieten, die der SEGA-Club nie bieten würde. Mit Shenmue-Saga als Prestigeprojekt des Yu Suzuki Meisterwerks oder dem ATLUS-Club als Eigengründung für die Zukunft mit J-RPGs bekam jede Sparte eine eigene Aufgabe zugeschrieben – es ging um ein gesundes Miteinander im Netzwerk. Die Sega-Zone passte mit ihrer Strahlkraft und Identität als einst größte SEGA-Community ins Konzept. Sie war die Speerspitze der deutschen Szene ab 1999. Sie sollte der HUB des Netzwerks für alle fünf Webseiten werden, die reinen SEGA-Content bieten. Die Umfirmierung am 21.01.2026 war der erste Schritt. Etwa einen Monat später, am 28.02.2026: das SEGA Forum ist unter sega-zone.de erreichbar.
SEGA-Zone: Das Zentrum für SEGA & ATLUS
Community für Sonic, Dreamcast, Shenmue bis Persona: Das war es, wo die SEGA-Leidenschaft heute liegt und was das Epizentrum der deutschsprachigen Dreamcast-Community von einst ausmachte. Sie passte mit ihrer Aura als einstige Institution der 128-Bit Ära ideal zu den Projektsäulen des Netzwerks. Die neue SEGA-Zone bekam ihre Existenzberechtigung wie einst Dreamcast Powerbase. Sie war nicht mehr ein Einzelforum unter vielen im Loftboard. Jetzt war sie das Board selbst und beherbergte alle Bereiche der angeschlossenen Seiten: der VELVET ROOM für den ATLUS-Club, die ARKBASE für den SEGA-Club, die ARENA-128 für Dreamcast Powerbase, den MAN MO TEMPEL für Shenmue-Saga und GREEN HILLS für den SONIC Club. Die SEGA ZONE als zentraler Community-Hub im Netzwerkverbund.
Dieser Verbund startete nicht bei null. Die Grundlage bildete das Club-Forum aus dem Jahr 2006, das die Kontinuität über fast zwei Jahrzehnte trug – stabil, technisch modernisiert (WBB6) und ohne Identitätsverlust. Die Wandlung zur neuen SEGA-Zone war daher kein bloßes Rebranding, sondern eine digitale Archäologie mit Zukunftsvision: Während die ursprüngliche Sega-Zone der 2000er Jahre ein Portal mit Forum war, fungiert sie heute als das interaktive Herzstück des gesamten Netzwerks. Sie ist der Ort, an dem die redaktionellen Inhalte der spezialisierten Portale wie dem SEGA-Club oder Dreamcast Powerbase zusammenfließen und durch die Community zum Leben erweckt werden. Damit schließt sich ein Kreis: Die heutige SEGA-Zone nutzt ihren Legendenstatus, um als moderner Community-Hub die Fäden des Netzwerks zusammenzuführen. Sie respektiert ihre Geschichte als einstige Speerspitze von 1999 und führt diesen Geist in die Zukunft: als eine Plattform, die fundiertes Fachwissen der Webseiten mit der Leidenschaft einer lebendigen Gemeinschaft verbindet. Ein Netzwerk, das die Geschichte ehrt, aber in der Gegenwart lebt.



