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Virtua Fighter ist zurück. Einmal mehr veröffentlicht SEGA den fünften Teil für die neue Konsolengeneration – und das exklusiv für PS4. Der Titel, der bereits 2006 für Arcade in Japan, 2007 für PS3 (Version B) und anschließend erstmals mit Online-Modus auch für Xbox 360 (Version C) veröffentlicht wurde, hat insofern schon einige Jahre auf dem Buckel. Wie ging es weiter mit Virtua Fighter 5? Die Arcade-Hallen bekamen mit Virtua Figter 5 R ein großes Update. Das zweite größere Update nannte sich Virtua Final 5: Final Showdown und stand schon bald für PS3/Xbox360-Konsolen bereit. Allerdings nur noch digital. Das Entwickler-Team dahinter – SEGA AM2 – hatte das Spiel damit quasi ausgereizt. Doch am Ende sollte diese Version doch noch einmal hervorgekramt werden. Denn SEGAs Ryu Ga Gotoku Studio setzte sich an ein Remaster dieses letzten Updates. Damit sind wir fast nochmal zehn Jahre nach Final Showdown bei Ultimate Showdown, das Mitte 2021 den Weg in die Arcade-Hallen sowie auf PS4 fand. Kurz gesagt: Ultimate Showdown ist ein Remaster von Final Showdown, das einst digital für PS3 und Xbox 360 erschien. Doch wird damit nun alles besser?

Nach einem tollen neuen Intro jedenfalls, das uns alle Charaktere kurz vorstellt, befinden wir uns um Hauptmenü. Hier heben die Entwickler insgesamt sechs Menüpunkte in unterschiedlicher Größe hervor. Dabei ist das Menü an sich bereits geteilt, denn die rechte Seite präsentiert einen Videobildschirm, während das eigentliche Spielmenü links angesiedelt ist. Ganz groß in Szene gesetzt sind hier der ‚Rangkampf‘ sowie die ‚Kampflobby‘. Etwas kleiner darunter gibt es die beiden Menüs ‚Turnier‘ und ‚Training‘. Am kleinsten abgebildet sind nochmals darunter die Auswahlpunkte ‚Arcade‘ und ‚Lokaler Kampf‘. Diese Aufstellung zeigt insgeheim schon, worauf die Entwickler hier den Fokus legen: auf den Online-Modus. Selbstverständlich gibt es noch weitere Menüpunkte, die fast schon in einer App-Ansicht unter dem Video-Bildschirm aufgereiht sind: Optionen, Shop, Kleiderwechsel usw. Hier kann man sich Ranglisten anschauen, diese mit einzelnen Kontinenten, weltweit oder mit Freunden vergleichen. Hier wird ebenfalls der eigene Charakter umgestaltet oder im PlayStation Store neue Add Ons gekauft, derzeit das Legendary Pack, Yakuza sowie Tekken DLC. Ist man nicht in einen dieser Untermenüs, läuft in der Regel ein Kampf im Videobildschirm, den man mittels [L1] Taste auf Vollbild umschalten kann. Dann genießt man einfach Fights der anderen Spieler, noch bevor man selbst auch nur ein einiges Menü aufgerufen hat.

Training und Arcade

Als Neuling interessiert vermutlich als erstes das Training. Wie immer ist dieses notwendig bzw. sehr empfehlenswert, um die verschiedenen 19 Charaktere genauer zu studieren. In der Tat sind in dem Remaster auch wieder Sumo-Ringer Taka-Arashi und Karate-Kämpfer Jean Kujo mit dabei. Beide wurden einst mit dem Virtua Fighter R Arcade-Update integriert und kamen dadurch in Final Showdown bereits neu hinzu. Natürlich gibt es auch in Ultimate Showdown wieder Endgegner Dural: eine Kämpferin, die verschiedene Styles aller VF-Charaktere kombiniert. Allerdings ist diese nun nicht mehr freispielbar und nur noch als NPC-Charakter integriert – sprich „Non-Playable Character“. Wer Virtua Fighter kennt, kommt auch im Training schnell zurecht. Immerhin können hier ganze Move-Listen abgerufen und trainiert werden. Dies ist immer wieder grandios, welche Manöver sich mit eigentlich nur den drei Tasten ‚Punch‘, ‚Kick‘ und ‚Guard‘ lostreten lassen. Die Tasten können im Menü angepasst werden, um sie nach ganz eigenem Befinden zu platzieren. Jeder Anfangsbuchstabe dieser drei Begrifflichkeiten ist in den Move-Listen angezeigt. Die Moves werden dann als bspw. P, P, K oder eben auch K, K, P+K angezeigt. Dies auch mit Pfeilen für entsprechendes Drücken des Steuerkreuzes oder des Analogsticks. Hier wird ausgewichen, geblockt, verschiedene Würfe angesetzt oder gar Arenen-Begrenzungen einbezogen. Kombos, Bodenattacken, Sprungmanöver und verschiedene Griffe mit Folgeaktionen, alles ist dabei. Um seinen Charakter zu beherrschen ist nach wie vor sehr viel Training notwendig. Denn Virtua Fighter ist kein Button-Smasher, in dem man einfach irgendwelche Tasten drückt. Hier lernt man als Spieler, wann welche Angriffe effektiv sind und wo sich in diesen Angriffsmustern schließlich auch Lücken finden lassen. Oder sagen wir, das muss man auch im Kampf herausfinden, um als Spieler zur richtigen Zeit abzuwehren oder eben auch anzugreifen. Das war schon immer das Konzept dieses Beat ‘em Ups, in dem Stärken und Schwächen bei jedem Charakter vorhanden sind, sein müssen und weswegen die verschiedenen Arcade-Updates auch dieses Gameplay immer weiter verfeinern. Dies heißt natürlich auch, dass die Ryu Ga Gotoku Studios hier bereits die letzte und damit beste Version remastern: nämlich Final Showdown.

Wer sich mit den Kombos und Angriffsmöglichkeiten im Training halbwegs sicher erwägt – schön sind übrigens abermals auch einige Videos zu bestimmen Moves – kann sich schließlich in den Kampf stürzen. Dafür steht der Arcade Modus zur Verfügung. Das ist der Modus, in dem man sich durchaus als erstes beweisen darf, muss und auch sollte. Den Schwierigkeitsgrad kann man hier von sehr leicht bis sehr schwer wählen, ebenfalls die Rundenanzahl der Gewinne und die Zeit für ein Match. Voreingestellt sind normalerweise zwei Gewinne gegen einen Kontrahenten innerhalb von 45 Sekunden. Dies kann man beispielsweise auf 60 Sekunden hochschrauben. Leider stehen tatsächlich nur Limits von 30, 45 oder 60 Sekunden zur Verfügung. Gänzlich abschalten lässt sich diese hier nicht. Wer sich schneller durch den Modus kämpfen will, stellt nur eine Gewinnrunde ein, um zum nächsten Fight zu gelangen. Insgesamt warten immerhin stolze sieben Kämpfer und Kämpferinnen auf einen. Angezeigt wird dies einem stets in der Anzeige vor einem Kampf, in der auch die Arena und die mögliche Arena-Begrenzung betitelt wird. Akira Yuki ist selbstverständlich der letzte Gegner, den es zu schlagen gilt. Schafft man dies, ist das Spiel aber noch nicht zu Ende: es wartet Dural. Für sie hat man nur einen einzigen Versuch. Scheitert ihr, müsst ihr den Arcade-Modus von vorn beginnen. Das ist aber Virtua Fighter wie man es kennt und liebt. So oder so folgt der Abspann und man darf sich freuen, die Kämpfe mehr oder vielleicht auch weniger gut gemeistert zu haben. Die Herausforderung hier liegt sicherlich darin, die Schwierigkeitsstufe immer höher zu stellen, sich immer neue Moves im Training anzueignen und diese auch gekonnt einzusetzen. Denn sie müssen in Fleisch und Blut übergehen. Dann wird man nach und nach zum harten Konkurrenten. Deswegen hat jeder Spieler meist auch einen bestimmten Charakter, mit dem fast immer gespielt wird.

Übrigens: In der Auswahl des Charakters kann mittels der Options-Taste das Outfit geändert werden. Normal sind zwei Stück voreingestellt. Drückt ihr die [Viereck]-Taste, gelangt ihr aber in ein weiteres Outfit-Menü mit verschiedenen Typen hier sind auch die Add Ons angesiedelt. Wer das Legendary Pack zum Release oder kurz darauf im Paket mit dem Spiel kaufte, kann hier auf zwei Outfits aus alten Arcade bzw. SEGA Saturn Zeiten zurückgreifen. Symbolisiert wird dies mit „VF S1“ sowie „VF S2“ und stellen Polygon-Charaktere dar. Der Kampf ist dann ebenso geschmeidig mit allen Moves. Lippen bewegen sich bei den Aussagen der Charaktere keine. Es ist eben Oldschool-Optik. Diese gibt es sogar für jene Charaktere, die es damals noch gar in der Fighting-Riege gab. Wer sich weitere Add Ons runterlädt, findet hier dann auch die Outfits für Yakuza und Tekken.

Missionsmodus: ade, adieu und tschüss

Größere Spielpausen sollte man sich, denkt man an die vielen zu lernenden Moves der Charaktere, nicht leisten. Denn zu schnell ist man sonst wieder raus aus dem Kampfgeschehen und muss sich viele der Angriffsmöglichkeiten erst wieder aneignen und womöglich neu erlernen. So ging es mir, denn nach etwa zwei Monaten Pause musste ich mir so einige Moves erst wieder ins Gedächtnis zurück trainieren, um zumindest wieder halbwegs mit dem eigenen Charakter klarzuzukommen. Wofür ist das Können aber gut? Normalerweise für zusätzliche Modi, die Virtua Fighter 5 im Gepäck hat: in der Retail-Version des Spiels von 2007 der riesige Quest Modus. Das digitale Spiel VF5: Final Showdown hatte diesen nicht mehr, kam jedoch wenigstens mit einem deutlich kleineren Missionsmodus daher. Positiv ist daran, dass es hier für Fans genug Möglichkeiten gibt, das Erlernte einzusetzen und auch zu verbessern. Denn es warten verschiedene Kämpfe auf euch, in den ihr ganz bestimmte Aufgaben erledigen müsst: den Gegner 3x werfen, 5x erfolgreich ausweichen oder mindestens zwei Bodenangriffe schaffen – alles bevor man ihn besiegt. Im Missionsmodus wird man dadurch weiter trainiert und kann seinen Kampfstil ausbauen bzw. verfeinern. Dies ist fordernd und macht zudem viel Spaß, da nicht immer alles sofort machbar ist und man mitunter sogar nochmal ins Training muss, um bestimmte Herausforderungen darin zu trainieren. Auch die Missionen in Final Showdown haben mehrere aufeinanderfolgende Gegner. Besteht man nur gegen einen nicht, ist die Mission gescheitert. Dies hat insofern sehr viel Mehrspielwert. Nein, hatte. Denn obwohl es sich bei Ultimate Showdown um ein Remaster von Final Showdown handelt, haben die Ryu Ga Gotokus Studios den Missionsmodus nicht remastered. Sie haben ihn einfach aus dem Programm geschmissen, weswegen er auch nicht im Hauptmenü zur Auswahl steht. Spieler können sich insofern im – sagen wir mal ganz klar – Offline-Modus nur noch gegen einen Freund daheim messen, das lokale Spiel eben gegen maximal einen Freund. Mehr gibt es nicht, also auch keine Offline-Turniere. Selbst gegen einen CPU-Gegner kann man hier nicht antreten. Es gibt also rein den Arcade Modus. Damit lassen die Entwickler insofern selbst die letzten Reste (Missionsmodus) des einst riesigen Quest Modus unter den Tisch fallen.

ONLINE: das Hauptaugenmerkt von Ultimate Showdown

SEGA konzentriert sich jetzt auf den Online-Modus, weswegen im Hauptmenü die Kampflobby und der Rangkampf besonders groß abgebildet sind. Für PlayStation-Spieler ist das nur noch fast eine Sensation, denkt man an die Retail-Fassung aus 2007. Diese damalige Version B aus den Arcade Hallen bot keine Online-Matches. Diese konnten aufgrund der B-Struktur damals auch nicht nachträglich integriert werden. Online-Matches blieben also zunächst der Xbox 360 vorbehalten. Bis 2012 eben, als VF5: Final Showdown als Download folgte. Nun waren beide Systeme – PS3 und Xbox 360 – online am Start.

Damit ist die Geschichte des Online-Gameplays aber noch nicht beendet. Man sollte erwähnen, dass auf Xbox 360 ein kostenpflichtiges Abo für das Online-Gameplay notwendig war und auch heute noch ist. Auf PS3 war dies kostenfrei. Nein, ist auch heute noch kostenfrei, zumindest solange die PS3 online bleibt und der Online-Modus nicht durch Sony eingestellt wird. Und die PS4 kostet beim Online-Spielen nun ebenfalls Geld. Sony bietet auf der PS4 keine Abwärtskompatibilität zur PS3 an, weswegen wir auf der PS4 kein VF5: Final Showdown spielen können. Während PS4-Spieler also auf Ultimate Showdown zurückgreifen müssen, steht der Titel dank Abwärtskompatibilität auf dem direkten Konkurrenzprodukt Xbox One (und sogar Xbox Series X|S) dagegen zur Verfügung. Selbstverständlich gibt es in beiden entsprechende Online-Modi. Die neue Version für PS4 bietet in der Kampflobby ebenfalls verschiedene Möglichkeiten. Wer sich einfach in die Lobby begibt, bekommt direkt alle aktuellen Matches aufgelistet. Mittels der Schultertasten [L2] und [R2] kann hier zwischen den Match-Arten gewählt werden, während die [L1] und [R1] nach der Verbindung sortiert. Dies ist auch anhand der Farben erkennbar: grün für gute Verbindungen des Lobby-Inhabers, rot für eine schlechte. Der Filter ist auch insofern anwendbar, sodass private Spiele ausgeblendet werden können. Das sind jene, die mit einem blauen Schlosssymbol versehen sind. Wer hier beitreten will, muss zunächst ein Passwort eingeben. Wer also ein Spiel selbst erstellt, kann auf viele verschiedene Auswahlmöglichkeiten zurückgreifen: Match-Art (bspw. normales Match oder Ligamatch), Rundenanzahl, kleines Turnier, Dauer pro Runde, ob Zuschauer erlaubt sind, wie viele überhaupt der Lobby beitreten können usw. Hierzu zählt dann auch der Passwortschutz, um fremden Leuten den Zutritt zu verwehren. Demnach können dann bspw. nur Freunde beitreten, die das Passwort wissen. Das hat schon etwas von Phantasy Star Online wie auch Teil 2 und dessen Online-Lobbys samt Missionen.

Als normaler Virtua Fighter Spieler hat man hier aber generell noch weitere Möglichkeiten. Man kann sich einen eigenen Titel aus einer Vorauswahl wählen, der im Kampf unter dem Namen angezeigt wird. Ebenfalls gibt es natürlich allerlei Ergebnisse aufgeschlüsselt samt Spielzeit abzurufen. Hier werden alle Lobbymatches aufgelistet wie auch gegliedert nach Rangkämpfe oder Turnier-Events. Alle Ergebnisse, die Anzahlt der bestrittenen Fights und Prozentzahl der tatsächlichen Gewinne als Spielinformation werden gesammelt und für immer unter dem eigentlichen Gamertag abgelegt. Diese Informationen sind auch für andere Spieler abrufbar. Interessant ist zu sehen, wie oft mittels Excellent, K.O., Ring Out oder auch Time Up gewonnen wie auch verloren wurde. Selbst die Arenen spielen eine Rolle, um zu veranschaulichen, auf welchem Untergrund man offensichtlich besser oder schlechter zurechtkommt. Es gibt insofern ein reines Online-Menü für die Spielerdaten des oder der eigenen Kämpfer. Grundsätzlich ist schon vor einem Kampf zu sehen, wie hoch der Prozentsatz der bisher bestrittenen Kämpfe des Gegners ist. Das allein kann einen gewissen Respekt zum Gegner verschaffen. Denn geht ihr online und seht eine Siegesrate von sagen wir 86%, dann ist guter Rat vielleicht schon teuer. Natürlich beginnt jeder Neuling im Rang „10. Kyu“ und steigt innerhalb der Ranglisten-Matches auch auf. Das mag imposant klingen, ist am Ende aber reine Statistik. Worum es wirklich geht, ist der Kampf.

Online-Kämpfe: die Besten der Besten

Die Online-Fights könnte man nun als das Beste am Remaster bezeichnen aber womöglich auch als tragisch: zumindest für Neulinge und Gelegenheitsspieler. Welche Möglichkeiten gibt es nun tatsächlich, um online zu spielen? Das Menü zeigt es:

Der Rangkampf:
Hier geht es darum, den eigenen Wert als Kämpfer zu erhöhen. Zum Start beginnt man mit seinem gewählten Charakter im Rang „10. Kyu“. Innerhalb der Rangkämpfe erhöht sich dieser zunächst zum 1. Kyu, bis der Dan-Rang folgt. Hier sind mehrere Kämpfe gegen andere Mitspieler notwendig, um seinen eigenen Rang schrittweise zu erhöhen. Wer dieses Match wählt, wird zunächst in eine Art Training geworfen, wo Moves geübt werden können. Währenddessen wird nach einem Kontrahenten gesucht. Ist diese Suche erfolgreich, startet der Rangkampf. So die Theorie. In der Praxis müssen dafür auch genügend Online-Spieler bereitstehen, um diese Kämpfe überhaupt bestreiten zu können. In meinen Versuchen war das nicht der Fall. Die Leute tummelten sich eher in der normalen Lobby. Ich blieb insofern stets in den Übungsmatches hängen, während erfolglos nach Spielern für einen Rangkampf gesucht wurde.

Das Turnier:
SEGA bestreitet hier regelmäßig Turniere – genauer gesagt an den Wochenenden. Hier kann man Beitritte vorbereiten und schließlich gegen andere Turnierteilnehmer kämpfen. Datum und Uhrzeit sind hier festgelegt, sodass man auch zu besagter Zeit online sein muss. Einen Haken gibt es: Man benötigt einen vorgegebenen Rang, um das Turnier überhaupt zu betreten. In meinen Versuchen war dies überall der „1. Dan“. Die Turniere stehen also nicht jedem frei zur Verfügung. Hierfür muss man zunächst etwas tun: mehrere Online-Matches bestreiten – sprich insbesondere Rangkämpfe, um mit einer gewissen Erfahrung behaftet zu sein. Ohne geht hier nichts, einem wird der Zutritt sonst direkt verwehrt. Wenn also keine Gegner da sind, um den Rang überhaupt erhöhen zu können, fallen damit automatisch auch die Turniere flach. Eine Turnierauswahl, die sich dem Rang anpasst und daher auch Neulingen die Möglichkeit auf Teilnahme gibt, verpasste SEGA offensichtlich.

Lobby-Matches:
Dies ist die häufigste Form der Online-Kämpfe, in denen ihr der Lobby normal beitretet oder eben selbst ein Spiel erstellt – ggf. geschützt durch ein Passwort. Hier werden sämtliche verfügbaren Matches angezeigt, denen man nun beitreten kann. Das bedeutet, man kommt in eine Vor-Lobby, in denen eine maximale Anzahl an Spielern eintreten darf laut der gemachten Einstellungen bei der Spielerstellung. Hier sind Reaktionen mittels [L2]-Taste möglich, die in Form von kleinen Smilies über den Bildschirm fliegen. Man könnte es als Kommunikation bezeichnen. Einen Daumen hoch, einen Daumen runter: es gibt viele Möglichkeiten, sich zu artikulieren. Groß in Szene gesetzt ist in dieser Lobby erneut der Video-Bildschirm, der gerade stattfindende Kämpfe den übrigen Spielern dieser Lobby anzeigt. Sind natürlich nur zwei Spieler hier und kämpft keiner, bleibt dieser Bildschirm schwarz. Andernfalls kann man sich hier schon mal einen Eindruck verschaffen von dem Gegner, der einem womöglich als nächstes blüht. Oft erlebt ich es aber, dass hier keine Videos vorhanden waren: Entweder wurde diese Option abgeschaltet oder es kämpfte einfach niemand im Hintergrund. Denn unentwegt läuft auch bei jeder Spieleranzeigte ein Countdown innerhalb der Lobby, bei dem man sich mittels [X]-Taste als zum Kampf bereit erklären kann und auch muss. Ohne startet der Kampf nicht. Erst wenn die benötigte Anzahl an Spieler das OK gegeben hat, geht es zum Kampf. Ansonsten bleibt man hier in der Lobby quasi stecken. Dies erlebte ich leider sehr oft, weshalb es von einigen Spielern durchaus auch mal einige ‚Daumen-runter-Smilies‘ gab.

Am Online-Modus und SEGAs Interesse an diesem kommt man aber nicht vorbei, ohne die Hintergründe genauer zu erklären. Denn SEGA entwickelte dieses Remaster vor allem aus einem Grund: Man wollte noch sehen, wie stark das Interesse an Virtua Fighter im Jahr 2021 ist. Abschließend dazu fiel das Fazit wohl positiv aus, was die Chancen auf einen neuen Teil steigen lässt. Aber zurück zum Release. Der erfolgte folgendermaßen: Auf der PS4 veröffentlichte SEGA diesen Titel zeitweise kostenfrei für PS Plus Mitglieder. Alle Spieler, die über dieses kostenpflichtige Abo verfügten, konnten sich daher im Zeitraum von zwei Monaten (Juni bis August 2021) dieses Spiel kostenlos downloaden. Alle anderen mussten 29,99€ zahlen, wobei dann das Legendary Pack (DCL) beilag. Das heißt aber auch, dass die Käufer des Titels nur den Arcade-Modus, den lokalen VS-Modus und das Training nutzen konnten/können. Denn für das Online-Spiel wird eine PS Plus Mitgliedschaft vorausgesetzt. Was zum Release also zumindest in einem kostenlosen Spiel mündete (Abo abschließen und Spiel kostenfrei downloaden), war zwei Monate nach Release hinüber. Seitdem kostet das Spiel rund 30€ und für den Online-Modus wird noch eine PS Plus Mitgliedschaft benötigt. Offline wurde das Remaster von Final Showdown derart beschnitten, dass eigentlich kaum noch Modi für den Single-Player vorhanden sind. Insofern wäre ein reines Free-to-Play Konzept vermutlich besser gewesen, um mehr Spieler zu locken, die sich Virtua Fighter annehmen, trainieren, die Lobby besuchen und gegeneinander antreten können. Wünschenswert wären dann eben auch mehr Turniere gegliedert nach allen erdenklichen Rängen.

Denn sieht man in die Zukunft des Titels, ich spielte dies bevorzugt erst Ende 2022 und Anfang 2023, so sieht das Bild nämlich sicher anders aus als noch zum Start: Nur wenige Spieler und Spielerinnen tummeln sich online. Die meisten Matches sind durch Passwörter geschützt. Ranglisten-Kämpfe konnte ich gar nicht ausfechten, weil die Kontrahenten fehlen. Die wenigen übrigen Matches sind durch hartgesottene Fans bestückt. Die verstehen ihr Handwerk und sind nur schwer zu bezwingen. Das Resultat ist klar: Sie steigen ihre Siegesrate, während Neulinge es äußert schwer haben, überhaupt einen Kampf zu finden und dann im Grunde gar nicht gewinnen können. Turniere fallen dadurch auch vollkommen aus. Denn im Rang steigt man nicht (mehr). Im Umkehrschluss zeigt Virtua Fighter 5: Ultimate Showdown damit durchaus seine Stärke im Online Modus: Hier warten die Besten und die Könner. Für die großen Fans ist das fantastisch, denn sie bekommen noch härtere Gegner, als der Arcade Modus vermutlich je bietet. Es sind jene Spieler, die ihren Lieblingscharakter kennen und wissen, welche Aktionen sie wann ausführen. Sie wissen auch, wann sie angreifen oder besser verteidigen. Sie kennen die Lücken der gegnerischen Kombos. Um diese Verteidigungen zu durchbrechen, muss man seinen eigenen Charakter gut kennen. Das ist eben die große Stärke der Marke und was Virtua Fighter extrem interessant macht: offline wie auch online. Natürlich haben sie ihren Charakter auch gestaltet und gehen in einem eigenen Look online in ihre Kämpfe. Für Fans also grandios. Wenn das Spiel aber vor allem auf das Online-Gameplay zugeschnitten ist, wie es das Ryu Ga Gotoku Studio hier getan hat, dann fällt dieser Online-Modus aber auch irgendwann hinten herunter, sobald die Spieler das Schiff verlassen. Dann wird die einstige Stärke auch zur Schwäche des gesamten Spiels: keine Spieler, kein Spielspaß. Dies trifft auf die PS4-Version dann leider ebenfalls zu. Vor allem, weil es offline keine Besonderheiten mehr gibt. An mehreren Tagen jedenfalls vermisste ich die Auswahl an Matches und Spielern. Es machte in der Tat kaum Sinn, online nach Kontrahenten zu suchen. Teilweise gab es nur fünf bis sechs Matches, von denen ein einziges nicht durch ein Passwort geschützt war. Wie soll man so vernünftig spielen, Spaß haben und vielleicht auch dazulernen? Das ist fast unmöglich.

Ich erwähnte aber die Charakter-Gestaltung, die vom Hauptmenü aus abrufbar ist. Hier haben Fans erneut die Möglichkeit, sich zunächst eins von drei Outfits (unter normalen Bedingungen ist Outfit 4 gesperrt) auszusuchen und dieses anzupassen. Das lockt, da nicht nur Klamotten gewechselt werden. Es gibt viele Accessoires wie Ringe, Ketten oder Sonnenbrillen. Weitere Utensilien nimmt man dann auch gern dazu wie die Maracas für Charakter El Blaze. Die Vielfalt, die ich einst in den Klamotten-Paketen von Final Showdown hatte, konnte ich hier allerdings nicht entdecken. Tatsächlich gab es da sogar SEGAs Dreamcast und mehr. Die Gestaltung der Charaktere ist etwas Besonderes und gibt das gewisse Etwas. Es ist schade, dass auch diese Möglichkeit quasi sehr gestaucht wurde mit der Remastered Edition. Wie toll die Charaktere aussehen können, zeigen im Übrigen die Online-Matches, selbst wenn man sich diese nur via Video schon im Hauptmenü anschaut.

Technik

Die Technik und die Arbeit hinter dem Remaster sind zu loben. SEGA entwickelte dieses Spiel komplett neu, nutzte die hauseigene Dragon Engine der ‚Like A Dragon‘ Serie und aktualisierte damit die Grafik des Spiels ungemein. Die geschmeidigen Bewegungen aller Charaktere wurden beibehalten, während die verschiedenen Arenen ebenfalls sehr schick und in neuer Form daherkommen. Es ist wieder einmal ein Augenschmaus, was hier an optischen Raffinessen daherkommt. In einigen Arenen kann man sich schon zum Start vergucken, wenn die Charaktere noch ihre Kampfansagen gegeneinander machen. Die Arenen werden auch hier im Kampf genutzt, sodass Begrenzungen mitunter zersplittern. Spiegelungen im Wasser, Abdrücke im Sand, alles ist dabei. Die Umsetzung kommt ebenfalls mit aktualisiertem Soundtrack daher, was dem normalen Spieler so vermutlich zunächst kaum auffällt. Alles in allem aktualisiert SEGA hier das hauseigene Spiel nochmal mit sehr viel Sorgfalt – so wie es sich für die Marke gehört. Denn sie stand und steht für technische aber auch spielerisch hochwertige Qualität. Dies fängt der Konzern auch im Remaster wieder ein. So wie es sein sollte.

Erwähnenswert ist dabei durchaus, dass SEGA den Titel auf der Tokyo Game Show 2020 Online auch als „Virtua Fighter x eSports“ anteaserte. Damit war im Grunde klar, dass man hier auf Turniere setzen würde, damit Fans sich miteinander messen können. Turniere spielen seit langem eine Rolle auf der Liste bei VF-Fans, sodass SEGA dies mit der Neuankündigung auch besser bedienen wollte. Im Westen stand das so tatsächlich nie zur Debatte bei der Entwicklung des Remasters. Hier wurde das japanische „Virtua Fighter eSports“ einfach als „Virtua Fighter 5: Ultimate Showdown“ veröffentlicht. Rein der Name bietet dann etwas völlig anderes. Bei einem Virtua Fighter eSports ist sofort klar, dass es um Turnier geht. Inwiefern Virtua Fighter 5 als eSports Bestandteil hierzulande hat, ist zumindest fraglich. Denn ginge es um eSport, die Technik dahinter im Online-Gaming und entsprechend um die Ausgestaltung von Content für möglichst viele Spieler, hätte der Titel eben wohl doch ein Free-to-Play Titel im Westen werden müssen. Stattdessen bekommen wir ein VF5: Ultimate Showdown. Dann erwartet man als Spieler eine bessere Version des eigentlichen Virtua Fighter 5 und keine immens abgespeckte Version davon, die fast keine Modi mehr besitzt.

Mit Virtua Fighter 5: Ultimate Showdown bringt SEGA die 5er Reihe nun auch auf PS4. Das Remaster von Virtua Fighter 5: Final Showdown – einst für PS3 und Xbox 360 rein digital veröffentlicht – wurde inhaltlich aber noch weiter abgespeckt. Gab es im Retail-Original noch einen riesigen Quest Modus, wurde dieser in der digitalen Version zum viel kleineren Missionsmodus, in dem man verschiedene Dinge während eines Kampfes zu erledigen hatte. Das war nicht immer einfach aber fordernd. Leider bietet Sony keine Abwärtskompatibilität zur PS3 an, um genau diesen Titel auch auf PS4 zu spielen. Denn das wäre vermutlich die bessere Alternative als diese Neuauflage. Vielleicht ist das der Grund, warum SEGA mit „Ultimate Showdown“ die 5er Reihe auch nicht auf Xbox One wiederbelebt. Denn die Xbox One (inkl. Series X|S) hat Zugriff auf den 2012er Titel, der offline weitaus mehr Spielmodi bietet. Rein spielerisch steht diese Remaster-Version den anderen natürlich trotzdem um nichts nach: in neuer Engine mit liebevoll aktualisierten Grafiken, angepasstem Sound und erweiterten Online-Modi. Wie gesagt, dafür fielen Offline-Modi unter den Tisch.

In Japan, wo der Titel offiziell „Virtua Fighter eSport“ heißt, wohl kein Problem und sogar verständlich. Aber hierzulande? Als VF5: Ultimate Showdown können Fans (fast nur) online gegeneinander antreten. Da wirkt der Zusatz „Ultimate Showdown“ fast schon wie der blanke Hohn. Im Vergleich ist es die dünnste Edition, die offline bis auf Training, dem Arcade-Modus sowie dem Fight gegen einen Freund daheim nichts bietet. Das ist Niveau der Saturn-Spiele aus den 1990er Jahren. Im Fokus steht nun rein der Online-Spielspaß. Und dafür muss man (ausgenommen die zwei Monate Gratis-Download für PS Plus Mitglieder zum Release) zunächst 29,99€ für das Spiel hinblättern, dann nochmal in das PS Plus Abo fürs Online Gaming auf PS4 investieren plus ggf. Add On Kosten für neue Klamotten einplanen. Online tummeln sich dann nur (noch) die Hardcore-Fans, gegen die man sich erst mal behaupten muss. Doch viel ist online nicht (mehr) los. Soll heißen, die großen Fans und Fighter, die ihren Charakter richtig gut beherrschen, liefern sich hier gelegentlich Turniere und einfache Fights. Gelegenheitsspieler und Neulinge bleiben ziemlich auf der Strecke. Die großen wöchentlichen Turniere können sie dank fehlendem Rang nicht einmal betreten und auf Ranglistenspieler wartet man vergeblich. Online haben sie – da kann man sich sicher sein – nicht den Hauch einer Chance. Nur wo sollen sie üben? Offline? Wo? Wie? Mittels Quest-Modus, Missionen und Co. durch verschiedene Schwierigkeitsstufen war das einst möglich und ein guter Anreiz. Auf PS4 bleibt nur noch der Arcade Modus. Und so SEGA, führt man Neulinge kaum an die Marke Virtua Fighter heran.

Dass SEGA dieses Spiel im japanischen Raum im eSport Segment führt, wird hier im Westen eigentlich nicht wirklich schlüssig. Damit ist das Konzept dahinter unsinnig: Es hätte ein Free-to-Play Spiel sein müssen ohne weitere Kosten (außer die Add Ons), um neben Fans auch weitaus mehr Spieler zu locken und zu binden, die sich zu jeder Zeit Matches liefern können. Denn so wird diese Ultimative Edition eigentlich rein zu einer Edition für hartgesottene Fans, ist aber Neulingen kaum zu empfehlen: zu mager, zu schwer, zu teuer. Oder andersrum gesagt: kaum Inhalt, wenige Spieler und dafür sehr kostenintensiv. Das Original bietet weitaus mehr Inhalt und kostet weniger. Dabei ist das Remaster spielerisch und technisch eigentlich top und gehört weiterhin zu den besten Beat ‘em Ups überhaupt. Und nur deswegen bekommt es gerade noch 80 Ringe von mir.


Fand online kaum Gegner und vermisst offline die Herausforderungen:
Ronny Wecke