Crazy Taxi: World Tour
Netzwerktest
Seit geraumer Zeit arbeitet SEGA an einem neuen Crazy Taxi – jener Marke, die einst vor allem auf Dreamcast für viel Aufmerksamkeit sorgte und bis heute zu den schönsten Arcade- wie auch Fun-Rennspielen gehört. Nein, kein klassisches Rennspiel, sondern vielmehr ein interaktiver Transportdienst mit Renn-Action für Highscores mit einer Stadt als Spielplatz, wo der pure Wahnsinn herrscht! Crazy Taxi lebte dies mit vier Fahrern und verschiedenen Taxis vor, Crazy Taxi 2 machte mit neuen Fahrern und neuen Ortschaften weiter: (un)kontrolliertes, punktebasiertes Verkehrschaos mit Zeitlimit, untermalt von einem treibenden Punkrock-Soundtrack. In 2026 stellte SEGA den neuesten Titel Crazy Taxi: World Tour auf der Gamescom 2026 vor. Mit echtem Taxi für Fotos am Stand, einer Deutschland-Karte und Aufmerksamkeit für einen ersten „Closed Network Test“ am Wochenende des 12. September 2026 (Sa) 2:00 Uhr bis 14. September 2026 (Mo) 2:00 Uhr. Wer sich dafür vorregistrierte, erhielt eine Einladung samt einem Code für die jeweilige Plattform zum Download dieser begrenzten Testversion. Sie beinhaltete keine Offline-Modi und damit keinen Single-Player-Modus. Der Netzwerktest zeigte eine erste Auswahl an Spielmöglichkeiten mit oder gegen andere Spieler. Wir testeten an diesem Wochenende das Netzwerk auf PC (Steam) sowie auf PS5.
Im Menü konnten Spieler Lizenzinformationen abrufen oder sich mit dem SEGA-Account verlinken, sofern nicht geschehen. In den Optionen gab es Einstellungen zum Sound, Kamera, Grafik usw. Es stand insofern nur der Multiplayer zur Verfügung: etwas, das SEGA für stabile Netzwerkverbindungen testen wollte. Im Anschluss gab es hierzu auch eine Umfrage per E-Mail an die Vorregistrierten.
Rasante Fahrten, Multiplayer-Action und Ranglisten
Ranglisten gehören heutzutage zum guten Ton beim Online-Gameplay, um sich mit anderen Spielern zu messen. Bei Crazy Taxi ist das nicht anders! Ranglisten gibt es hier für jede Art von Modus. Der Netzwerktest bot bisweilen drei Stück an. Eine Fahrt, wie sie Crazy Taxi Fans kennen, hört auf den Namen „Pick-Up Race“. Hier werden Passanten aufgegabelt und zu deren Zielgebieten chauffiert. Genauer gesagt macht das jeder der bis zu sechs Spieler. Diese steigen auf einer vorgegebenen Wegstrecke an verschiedenen Punkten zu und wieder aus. Es gewinnt der Spieler, der alle Passanten an deren Wunschorte gebracht hat und zudem noch als erster im anschließenden Zielgebiet zum Stillstand kommt. Diese ‚Ranked Matches‘ geben danach Punkte und erhöhen eine Rangleiste. Diese startet bei null im Rang F, baut sich bis zum A-Rang auf und behält dann trotzdem noch eine Überraschung darüber parat: den Legenden-Rang. In diesem Modus heißt es schnell fahren, sich nicht von den anderen Taxis aus dem Weg rammen lassen und natürlich schneller zu sein als der ganze Rest. Im Netzwerktest gab es hierbei zwei Streckenarten, sie sich allerdings nie voneinander unterschieden. Soll heißen, dass die Entwickler zwar riesige Karten – wie die Deutschlandkarte – anbieten aber im Netzwerktest noch nicht verschiedene Routen auf dieser spielbar waren. Da es Gebiete überall auf der Welt geben dürfte, zuletzt kündigte SEGA bereits die Japan-Karte an, ist hier durchaus mit viel Abwechslung zu rechen. Aber auch mit Chaos, Spielspaß und vielleicht sogar die Möglichkeit für die eigene Routenerstellung?
Der zweite Modus im Netzwerktest hieß „Cops ‘n‘ Cabbies“ und konnte entweder auf Seiten der Cabbies, also der Taxis, gespielt werden. Oder man war als Cop unterwegs und musste die Taxis stellen! Diese Rennen waren stets 4:2 aufgeteilt: vier Taxis und zwei Polizeiwagen. Der Rundkurs war entsprechend abgesperrt, auf dem sich jedes Team frei bewegen konnte. Die Taxi-Fahrer hatten hier ein Ziel: eine vorgegebene Anzahl an Passanten von A nach B bringen. Es tickte ein Zeitlimit, in dem diese Aufgabe gemeistert werden musste. Verhindern müssen das in jedem dieser Straßenkämpfe natürlich die beiden Polizisten. Jedes Taxi bekam dafür eine Lebensanzeige spendiert, die durch kräftige Stoßaktionen und Rempler sinkt.
Auf jeder Fahrt – egal ob Cops ‘n Cabbies‘ oder auch der Pick-Up Rennen – gibt es auf den Strecken blaue Items, die eine Boost-Anzeige auffüllen. Auf der PS5 wird sie danach mit der [Dreieck]-Taste ausgelöst. Das erzeugt einen Crazy Boost für eine gewisse Zeit, um schneller voranzukommen oder durch sämtliche Schikanen (Gegenverkehr, Bäume, Straßenschilder und mehr) durchzustoßen. Als Polizist benötigt man dieses Feature zum Rammen der Taxis – bestenfalls dann, wenn gerade Passanten ein- oder aussteigen. Mit dem Rammen verlieren sie ihre Lebensenergie. Ist diese aufgebraucht, befindet man sich als Fahrer in einer abgeriegelten Zone wieder. Aus dieser kann man selbst nicht mehr ausbrechen. Die anderen Taxifahrer erhalten dann einen Hinweis auf dem Bildschirm. Denn mit ihrem Boost können sie diesen Käfig zerstören und andere Spieler wieder zurück ins Spiel bringen. Aber Vorsicht, die Polizei lauert, um auch den letzten Fahrer vorher einzukassieren. Denn sind alle gefangen, ist das Spiel für die Taxi-Brigade definitiv vorbei. Natürlich müssen Polizisten nicht zwingend blaue Flaschen einsammeln, die Leiste füllt sich stetig von allein auf. Andernfalls wären sie nicht arbeitsfähig.
Tuning, Body-Kits und neue Teile
Was können Taxifahrer tun, um möglichst schnell oder besser gesagt besonders viele Passanten auf einmal zu befördern? Das kommt ganz auf das Gefährt an, das ihr euch zum Start aussucht. Ganze sechs verschiedene Taxis standen im Netzwerktest zur Auswahl und es ist noch genügend Platz in dieser Spalte für mindestens die doppelte Anzahl vorhanden gewesen. Diese Fahrzeuge sind allerdings keine Markenfahrzeuge, dennoch orientieren sie sich an diesen: Eines ähnelt dem VW-Bus (Bully), eine andere Marke dem Chevrolet Camaro bis hin zu einem Ford ähnlichem Pick-Up sowie einem Sportwagen im Porsche-Stil. Entsprechend haben sie eine unterschiedliche Anzahl an Sitzplätzen. Und hier wird es glatt strategisch und gibt bereits Hinweise darauf, was auch im Single-Modus zu erwarten ist, um bspw. verschiedene Missionen zu erledigen. Eure Fahrzeuge könnt ihr zudem tunen. Abgesehen davon, dass jedes Fahrzeug bereits einer gewissen Kategorie wie Speed, Turbo oder Beschleunigung zugeordnet ist, könnt ihr weitere Teile verbauen. Der Netzwerktest zeigte dabei Level-Unterschiede von 1 bis 3, ganz ähnlich zu gewissen Tuning-Teilen in Sonic Racing: CrossWorlds. Body-Kits wird es ebenfalls geben, um die Fahrzeuge zu verschönern oder auch zu verbessern. Testen konnten wir dies noch nicht, denn diese Option war noch nicht zugänglich – man stelle sich diverse Teile aus anderen SEGA-Marken vor oder geliehene Anbauten im Warhammer-Stil? Ebenso war das ‚Driver Customization‘ noch grau hinterlegt. Fahrer dürfte es ebenfalls mehr als nur die vier verfügbaren aus Teil 1 geben, wenn man sich die Platzverhältnisse im Auswahlmenü anschaut.
Besonders begeistert hat uns im Netzwerktest jedoch SEGA-typisch die Liebe zum Detail im lebendigen Stadtbild. Hier erspähten wir einen Richtungspfeil im unverkennbaren, stylischen Green Hills-Look, das versprühte sofort Igel-Nostalgie! Beim Driften durch die Straßenschluchten zieht man an vertraut wirkenden Ladenketten wie „Gartenmarkt Vielfalt“, „Kneipp“, „Donatwelt“, „Adventszauber“ und der bekannten Burger Fries & Shakes Kette „Five Guys“ vorbei. Ein absolutes optisches Highlight für Kenner der Szene ist zudem der riesige Ballpark Plaza, denn über dessen Eingang thronte doch tatsächlich stolz ein fettes „Hedgehogs“-Schild! Die altbekannten, leuchtenden Flächen am Straßenrand markieren wie gewohnt die Aufnahmezonen der Passanten. Sobald man mit qualmenden Reifen zum Stehen kommt, schwingen sich die Fahrgäste mit erstaunlich eleganten Animationen auf die Rückbank. Bei Ablieferung ploppen motivierende Einblenden wie „Speedy“ auf, natürlich nur bei schnellen, statt lahmen Fahrten zum Ziel. Schrammt man hingegen etwas zu rücksichtslos an einer Leitplanke vorbei oder rempelt den Gegenverkehr, fangen die Passanten sofort lauthals an zu meckern: „Watch out, you dummy!“, ein erschrockenes „Hey!“ oder ein panisches „Aahhh, easy now!“ schallen dann aus den Lautsprechern – wie gewohnt lustig und stimmungsvoll. Fußgänger springen eurer Stoßstange in allerletzter Sekunde mit fast schon artistischen Hechtsprüngen davon, Sprungchancen lassen euch fliegen und eigentlich haben wir bisher noch den Crazy Hop vermisst. Dafür genossen wir so manche Weitsicht in die Ferne bis zur San Francisco Golden Gate Bridge umrahmt von Wolken. Der Stil ist und bleibt Crazy Taxi aber das noch viel schöner als je zuvor.
Technik und mehr
Verbindungsabbrüche gab es in unseren Tests übrigens eher wenige. Was vielmehr verwirrte: Zu Beginn des Spiels war man gezwungen, einige Fahrten und Sessions zunächst rein gegen CPUs zu fahren – nämlich so lange, bis man im Rang von F auf E aufgestiegen ist. Erst dann kamen bei neuen Ranked Matches auch echte Spieler hinzu. Nicht jedem dürfte das klar gewesen sein während des Netzwerktests. Wer sich zu früh verabschiedete und nicht weiterspielte, verpasste insofern den Online-Part gegen menschliche Spieler. Diese nahmen plattformübergreifend am Netzwerktest teil und waren durch ein entsprechendes Symbol neben dem Benutzernamen erkennbar. Natürlich testete SEGA in diesen Tagen vor allem die Stabilität. Man durfte also nicht erwarten, dass bei einem Netzwerktest alles rundum stabil ablief, während man gleichzeitig eine übergroße Welt befahren könne. Es handelte sich vielmehr um Momentaufnahmen in abgegrenzten Demo-Bereichen.
Wenn die Entwickler zum finalen Release die restlichen Menü-Sperren aufheben, die globalen Karten mit reichlich alternativen Routen füttern und den Soundtrack (The Offspring lässt grüßen!) aufdrehen, erwartet uns hier ein absolutes Multiplayer-Highlight. Denn anhand des gezeigten Materials war eine echte und zusammenhängende Weltkarte, ähnlich eines Test Drive Unlimited oder Forza Horizon, nicht erkennbar. Alles war dem Original nach vielmehr innerhalb Menüs anwählbar – also nicht in Werkstätten innerhalb der Karte oder anzusteuernde Orte, um gewisse Aktionen auszuführen. Wie viel Open World wird also im Endprodukt stecken? Immerhin könnte dies auch den Arcade-Charakter mindern. Wie dem auch immer: Der Netzwerktest zeigte, dass SEGA den puren, ungefilterten Geist des Dreamcast-Klassikers ins Jahr 2026 transportieren kann. Crazy Taxi: World Tour kombiniert das unbeschwerte, chaotische Spielgefühl von damals perfekt mit den Anforderungen eines modernen, kompetitiven Multiplayer-Erlebnisses.



